Kiel Nano, Surface and Interface Science (KiNSIS)

Videointerview: Was braucht man als Wissenschaftler*in?

15.10.2020

Holger KerstenHolger Kersten, Professor für Plasmaphysik, hielt beim 7. International Congress On Energy Fluxes And Radiation Effects (EFRE), vom 14. bis 26.09.2020, nicht nur einen Vortrag. Im Rahmen der Online-Tagung interviewten ihn auch Studierende und fragten, warum er Wissenschaftler geworden sei, welche Eigenschaften man in der Wissenschaft braucht und warum Forschen so wichtig ist. Hier ein gekürzter Auszug aus dem Interview, das ganze Video (in Englisch) finden Sie hier auf You Tube.
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  • Wann haben Sie sich entschieden, Wissenschaftler zu werden?

In der Schule habe ich mich für Naturphänomene interessiert und hatte zum Beispiel ein kleines Teleskop, mit dem ich den Sternenhimmel beobachtet habe – da fing das Interesse an. Ich war gut in Mathe, Chemie und Physik und habe auch an Wettbewerben teilgenommen. In Jena habe ich angefangen Astronomie zu studieren, bin dann aber aus persönlichen Gründen nach Greifswald gewechselt. Weil man dort nicht Astronomie studieren konnte, habe ich mich für Physik entschieden.

  • Was fasziniert Sie an der Wissenschaft?

Man beobachtet ein Naturphänomen, zum Beispiel einen Regenbogen, und will wissen, wie er entsteht. Dann fängst du an, mathemische Modelle zu entwerfen, um zu erklären, was du siehst. Wenn du es einmal verstanden hast, kannst es damit nicht nur erklären, sondern sogar voraussagen. Dass wir diese mathematischen oder physikalischen Gesetze nutzen können für technische Anwendungen, zum Beispiel um optische Instrumente zu bauen oder Flugzeuge und so etwas für die Gesellschaft tun können – das ist für mich das Spannendste an der Wissenschaft. 

  • Warum ist Wissenschaft aus Ihr Sicht so wichtig?

Seitdem der Mensch existiert, will er die Welt um sich herum verstehen. Mit Wissenschaft können wir etwas über unsere Welt herausfinden, die Natur, unsere Interaktion mit ihr, was in der Gesellschaft passiert. Wissenschaft hilft uns auch dabei, unser Leben zu erleichtern und die Welt zu verbessern, zum Beispiel mit der Erfindung des Rades oder Schutzmaßnahmen gegen Naturkatastrophen. Wissenschaft ist einfach notwendig – in der Gegenwart, der Vergangenheit und auch in Zukunft.

  • Welche Eigenschaften braucht man als Wissenschaftler*in?

Am Wichtigsten ist Neugier. Du beobachtest etwas, das du nicht verstehst und willst wissen, wie es funktioniert. Du musst Fragen stellen, wissenschaftliche Gesetze lernen. Man braucht außerdem Geduld und Ausdauer, um nicht aufzugeben, wenn das Experiment beim ersten Mal nicht funktioniert. Und Wissenschaft funktioniert heutzutage nicht ohne Kommunikation. Man muss sich austauschen, mit anderen Wissenschaftlern oder Studierenden. Du bist nicht allein im Labor, sondern man muss kooperieren.   

  • Ist Wissenschaft eine Mission oder ein Beruf?

Wenn man nur auf der Suche nach einem „Job“ zum Geldverdienen ist, ist man in der Industrie besser aufgehoben. Man braucht schon eine Mission, eine Art „Berufung“. Deine eigentliche Belohnung bekommst du als Wissenschaftler im übertragenen Sinne, wenn du etwas über die Welt herausfindest. Wissenschaftler können – hoffentlich, etwas Glück gehört auch dazu – ihren Beruf mit ihren persönlichen Interessen verbinden. Dann kannst du Experimente machen, auf Konferenzen gehen, andere Leute treffen, lehren und mit Studierenden diskutieren.

  • Wie beeinflusst die jetzige Situation die Wissenschaft, zum Beispiel internationale Konferenzen?

Durch COVID19 ist es für die ganze Welt eine neue Situation, aber wir haben alle viel gelernt. Im vergangenen Semester habe ich eine Optik-Vorlesung gehalten – online, die Experimente haben wir vorab über Video aufgezeichnet. Es hat tatsächlich besser funktioniert, als ich gedacht hatte und die Ergebnisse der Studierenden in den Klausuren waren nicht schlechter. Mittlerweile haben wir eine Kombination aus Videolehre und Masterstudierenden und Promovierenden, die Experimente direkt im Labor durchführen können. Administrative Treffen sind über Videokonferenzen sehr effizient, aber für Konferenzen sollte es die Ausnahme sein. Der wissenschaftlichen Diskussion fehlt der persönliche Austausch über neue Ideen und Kooperationen. Das höre ich auch immer wieder von meinen Studierenden - langfristig brauchen wir den persönlichen Kontakt miteinander.

  • Was raten Sie jungen Wissenschaftlern?

Meinen Studierenden sage ich immer, seid neugierig und gebt nicht so einfach auf, wenn Probleme auftauchen. Folgt eurer „Mission“, euren Ideen. Und man sollte mit einem offenen Geist und offenen Augen durch die Welt gehen. Zwar mit einem kritischen Blick – was passiert um mich herum, in meiner Arbeitsgruppe, der Uni, in der Natur, der Gesellschaft – aber ohne Vorurteile. 

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