Kiel Nano, Surface and Interface Science (KiNSIS)

KiNSIS zeichnet beste Promotionen in den Nanowissenschaften aus

11.07.2017

Jedes Jahr ehrt der Forschungsschwerpunkt KiNSIS die besten Kieler Promotionen in den Nanowissenschaften. Der diesjährige Preis für Nano Engineering geht an den Materialwissenschaftler Dr. Christoph Chluba für seine Arbeit über Materialien, die keine Ermüdungserscheinungen zeigen. Die Auszeichnung für den Bereich Nano Chemistry erhält der Chemiker Dr. Marcel Dommaschk für seine Forschung an Molekülen, die ihre magnetischen Eigenschaften gezielt ändern können. Die Preise sind mit jeweils 1.000 Euro dotiert. Hier weiterlesen

Die Forschungsergebnisse beider Preisträger stießen bereits auf große Resonanz in der Fachwelt und bieten spannende Anwendungsmöglichkeiten: Chlubas unermüdliche, elastische Materialien könnten zur Kühlung verwendet werden, Dommaschks Moleküle bilden die Grundlage für neue Kontrastmittel in der Kernspintomographie. Dommaschk erhielt die Auszeichnung für seine Arbeit „Design of Photoswitchable Contrast Agents for Magnetic Resonance Imaging“ am Sonntag, 27. August, bei der Internationalen Tagung des Kieler Sonderforschungsbereichs (SFB) 677 „Funktion durch Schalten“. Dr. Christoph Chluba nahm den Preis für seine Dissertation „NiTi-based thin films for elastocaloric cooling applications“ bereits beim Sommerfest der Technischen Fakultät der CAU am 30. Juni entgegen.

Die Promotionspreise sind fester Bestandteil der Nachwuchsförderung im KiNSIS-Forschungsschwerpunkt. „Mit den KiNSIS-Preisen wollen wir die herausragenden Leistungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kiel anerkennen und weiter fördern. Qualifizierte Nachwuchstalente sind die Basis für weitere Spitzenforschung und innovative Transferleistungen am Standort Kiel“, sagt KiNSIS-Sprecher Professor Rainer Adelung.

Dr. Marcel DommaschkPreisträger Nano Chemistry Marcel Dommasck
Nachdem Dommaschk sein Chemiestudium an der CAU als Jahrgangsbester abgeschlossen hatte, begann er 2011 seine Promotion zu einem Thema aus dem Kieler SFB 677. Dort entwickelte er unter anderem das erste Molekül, das bei Raumtemperatur magnetisch bistabil ist, also zwischen magnetischem und nichtmagnetischem Zustand wechseln kann. Seine Ergebnisse wurden in der Zeitschrift „Science“ publiziert. „Damit wurde die in allen einschlägigen Lehrbüchern zu findende Aussage widerlegt, dass magnetische Bistabilität eine typische Festkörpereigenschaft ist. Herr Dommaschks Arbeit hat einen Boom auf diesem Forschungsgebiet ausgelöst“, betonte Professor Rainer Herges bei der Nominierung seines Doktoranden. Darauf aufbauend stellte Dommaschk molekulare Verbindungen her, mit denen zum ersten Mal Kontraste in der Magnetsesonanztomographie ein- und ausgeschaltet werden können und zwar per Licht zweier Wellenlängen grün und violett. Hierfür arbeitete er mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zusammen. „Im Labor funktioniert das bereits. Das nächste Ziel ist, den Effekt auch ‚in vivo‘ im menschlichen Körper zu erzielen“, sagt Dommaschk.

Nach seiner Promotion wechselte er nach Großbritannien an die University of Manchester, wo er an Molekülen forscht, die kleinere Teilchen transportieren sollen. „Ich kann mir gut vorstellen, weiterhin in der Wissenschaft zu arbeiten“, sagt der 30-Jährige.

Dr.-Ing. Christoph ChlubaPreisträger Christoph Chluba
Chluba studierte Materialwissenschaft an der CAU, bevor er 2012 seine Promotion begann. Am Institut für Materialwissenschaft forschte er an extrem elastischen Materialien, wie Nickel-Titan-Legierungen, die selbst nach langer Belastung keinerlei Ermüdungserscheinungen aufweisen. Beim Verformen dieser sogenannten Formgedächtnislegierungen ändert sich die Temperatur des Materials – der sogenannte „elastokalorische Effekt“. Das Material lässt sich damit zur Kühlung verwenden. „Herr Chluba hat mit seiner Arbeit ein bahnbrechendes, international sehr beachtetes Ergebnis erzielt. So hat er weltweit erstmals Materialien entwickelt, die selbst bei 10 Millionen superelastischen Zyklen keinerlei Ermüdung aufweisen und damit hervorragend für zukünftige Anwendungen in der Elastokalorik geeignet erscheinen“, begründet Promotionsbetreuer Eckhard Quandt, Professor für Anorganische Funktionsmaterialien, die Nominierung.

„An der Materialwissenschaft hat mich das Praktische gereizt“, sagt der 30-jährige Chluba. „Auch jetzt nach der Promotion möchte ich an konkreten Produkten arbeiten und habe Lust auf industrielle Forschung.“ Seit seiner Promotionszeit arbeitet Chluba unter anderem im Rahmen des Kompetenzzentrums Nanosystemtechnik an der Universität Kiel für die ACQUANDAS GmbH, die Dünnschichtmaterialien für die Medizintechnik herstellt.

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