Kiel Nano, Surface and Interface Science (KiNSIS)

Diels-Planck-Lecture-Auszeichnung geht an Chemiker Michael Grätzel (EPFL)

Michael GrätzelProfessor Michael Grätzel von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), Schweiz, erhält die diesjährige Diels-Planck-Lecture-Auszeichnung Medaille des Forschungsschwerpunkts KiNSIS (Kiel Nano, Surface and Interface Science) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Der interdisziplinäre Zusammenschluss würdigt damit Grätzels herausragende Forschung auf dem Gebiet der Photochemie. Grätzel gilt als Erfinder eines neuen Typs von effizienten Solarzellen, die besonders kostengünstig herzustellen sind. Bereits zum siebten Mal ehrt KiNSIS damit international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nano- und Oberflächenwissenschaften für außergewöhnliche Forschung über die Grenzen von Disziplinen hinweg. Die Preisverleihung und ein Festvortrag fanden heute (Dienstag, 15. September) virtuell im Rahmen der Online-Tagung „27. Lecture Conference on Photochemistry“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt.

Die Funktionsweise der sogenannten „Grätzel-Zelle“ ahmt den natürlichen Prozess der Photosynthese in Pflanzen nach. Die Rolle des natürlichen Farbstoffs Chlorophyll übernehmen dabei sensibilisierende künstliche Farbstoffmoleküle: Sie übertragen Elektronen auf ein Netz von Nanopartikeln aus Halbleiteroxiden, das elektrische Energie erzeugt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Solarzellen aus hochreinem und teurem Silizium werden für die Grätzel-Zelle relativ preiswerte Materialien verwendet. In ihrer Weiterentwicklung wurden die organischen Farbstoffe mittlerweile durch das Material Perowskit und der flüssige Elektrolyt durch organische Halbleiter ersetzt. Die sogenannten Perowskit-Solarzellen erzielen heute einen Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität von über 25% und zeichnen sich damit sowohl durch Effizienz als auch Stabilität aus.

„Grätzels Solarzelle stellt einen der vielversprechendsten Ansätze zur Nutzung der Sonnenenergie dar – nicht umsonst wird er schon lange als Kandidat für einen Chemienobelpreis gehandelt. Mit über 1.600 wissenschaftlichen Arbeiten, die bisher über 313 000 Mal zitiert wurden, ist er einer der einflussreichsten Chemiker weltweit“, betonte Rainer Herges, Professor für Organische Chemie an der CAU und Veranstalter der Tagung, in seiner Laudatio. „Wir freuen uns, mit Professor Michael Grätzel jemanden auszuzeichnen, der so grundlegende Pionierarbeit für die Energieforschung als einem der gesellschaftlich wichtigsten Bereiche der Zukunft geleistet hat. Seine Arbeit an der Schnittstelle von Chemie, Physik und Materialwissenschaft spiegelt auch die Bedeutung interdisziplinärer Forschung wider, die einen zentralen Grundsatz von KiNSIS bildet“, so KiNSIS-Sprecher Professor Jeffrey McCord.  

Über den Preisträger Michael Grätzel
Michael Grätzel wurde 1944 in Dorfchemnitz in Sachsen geboren und studierte Chemie an der Freien Universität Berlin. 1972 wurde er in Physikalischer Chemie an der Technischen Universität Berlin promoviert. Nach einem Postdoctoral Fellowship an der University of Notre Dame in den USA habilitierte er sich 1976 an der FU Berlin und wechselte im Anschluss als Associated Professor für Physikalische Chemie an die École Polytechnique Fédérale in Lausanne. 1981 wurde er als Professor und Direktor des Laboratory of Photonics and Interfaces an der EPFL berufen. Neben mehreren Gastprofessuren in Singapur, Paris und Berkeley hat er zahlreiche hochrangige Auszeichnungen erhalten. Grätzels h-Index liegt bei 250 – eine Kennzahl für das weltweite Ansehen eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftlerin in Fachkreisen, basierend auf der Anzahl der Zitate in anderen Publikationen.
 
Foto: EPFL - Alain Herzog

Video der Diels-Planck-Lecture 2020 Die Diels-Planck-Lecture 2020 "The stunning rise of perovskite solar cells"
Professor Michael Grätzel, École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL, Schweiz)


Abstract und CV Michael Grätzel

Pressemitteilung CAU, 15.09.2020

 

 

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